Medienpreis

Sonderpreis Medienkritik für vergessene Nachrichten

Aufklärung fördert Aufklärung: Die Zweite Aufklärung hat ihren Sonderpreis Medienkritik für das Jahr 2015 an die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) vergeben. Bei der Preisverleihung am 22. Mai in Nürnberg nahm INA-Vorstandsmitglied Rita Vock die Ehrung in Form von 500 Euro und einer Award-Urkunde entgegen: Die hauptberufliche Nachrichtenredakteurin des Deutschlandfunks hat für die INA eine Multimedia-Reportage mit den Top 10 der vernachlässigten Nachrichten modelliert.

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Preisträgerin Rita Vock mit Lutz Frühbrodt, Vorsitzender der Zweiten Aufklärung.

„Es geht viel verloren, wenn Nachrichten in erster Linie aus den Zutaten Drama, Konflikt, Prominenz, Sex, kleine Kinder und gern auch ‘was mit Tieren‘ zusammengerührt werden“, beobachtet Annette Floren, Co-Vorsitzende der Zweiten Aufklärung, den schon länger anhaltenden Trend, Nachrichten immer weniger nach dem Kriterium ihrer gesellschaftlichen Relevanz zu veröffentlichen. „Um bestimmte Sachverhalte zu begreifen und sich als mündiger Bürger eine eigene Meinung zu bilden, muss man eben auch das scheinbar Unspektakuläre im Blick haben und die Strukturen hinter den Dingen begreifen.“

Genau dafür, so Floren weiter in ihrer Laudatio, setze sich die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) ein. Getragen wird die 1997 gegründete Initiative von Wissenschaftlern, Journalisten, Studierenden und engagierten Bürgern. Bürger können Vorschläge einreichen, welche großen Themen oder Missstände ihrer Ansicht nach in den Medien zu wenig behandelt werden. Studentische Rechercheteams untersuchen die Einreichungen, eine Jury entscheidet schließlich über die Platzierung. Am Ende steht ein Top-Ten-Ranking der ‘vergessenen Nachrichten‘. Die Initiative arbeitet seit Anfang 2015 eng zusammen mit der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks, deren Redakteurin Rita Vock als Vorstandsmitglied der Initiative Nachrichtenaufklärung den Preis in Nürnberg entgegen nahm.

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„Denen eine Lobby geben, die über keine verfügen.“ Laudatorin Annette Floren.

Vock kritisierte, dass die Nachrichten zu oft auf Personalisierung setzten. „Beim Streik der Lokführer richten sich alle Augen auf den Gewerkschaftschef, aber weniger auf die eigentlichen Themen, die hinter dem Arbeitskampf stehen“, sagte sie. Deshalb verweist die INA auch in erster Linie auf Hintergrundthemen mit aktueller Relevanz. Auf Platz 1 ihres Top-10-Ranking der Vergessenen Nachrichten steht die immer weiter um sich greifende Praxis verkaufter Links. Werbliche Links also, die in redaktionellen Beiträgen eingebaut werden. Arbeitsbedingungen von Justizvollzugsbeamten, prekäre Ausbildungsverhältnisse und Forschung zu künstlicher Intelligenz bei Facebook gehören ebenso zu den Top 10 der INA. „Die Themen leben vom Charme des Perspektivwechsels, vom Blick hinter die Kulissen des hektischen Tagesgeschäfts und von dem Bemühen, denen eine Lobby zu geben, die nicht von sich aus darüber verfügen“, betonte Annette Floren in ihrer Laudatio.

Der Sonderpreis Medienkritik der Zweiten Aufklärung ist eingebettet in den renommierten Alternativen Medienpreis. Bei der Preisverleihung im Nürnberger Bildungszentrum wurden neben Rita Vock und der INA acht weitere Preise in den Kategorien Print, Online, Audio und Video verliehen. Rund 180 Journalisten von alternativen Bürgermedien und Initiativen, links-alternativen Tageszeitungen und Zeitschriften sowie öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten hatten ihre besten Arbeiten des Jahres 2014 eingereicht. Der Preis wird von verschiedenen Institutionen gesponsert, unter anderem von der Nürnberger Medienakademie, der Münchner Journalistenakademie und der Friedrich-Ebert-Stiftung.

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Gewinner anderer Katogorien des Alternativen Medienpreises. Ganz links Moderator und Organisator Peter Lokk. Ganz rechts: Mitorganisatorin Gebriele Hooffacker.

© Die Zweite Aufklärung 2015 (Text und Fotos, Titelfoto: Andrej Korzhycz)

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