Alternativökonomie

„Anleger sollten auch auf die gesellschaftliche Rendite achten“

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18.02.2014 – GLS Bank, Triodos Bank, Ethikbank und dazu eine ganze Reihe kirchlicher Geldinstitute. Mittlerweile gibt es jede Menge Anlaufstellen für Anleger, die ihr Geld nicht in erster Linie nach reinen Renditeerwartungen, sondern nach ihren ethischen und ökologischen Vorstellungen einsetzen wollen. Richard Buch, Projektleiter bei der Stiftung Warentest, ist Experte für ethisch-ökologische Geldanlagen. Im Interview mit der Zweiten Aufklärung erklärt Buch, was diese Form des Investments gesellschaftspolitisch bewirken kann. Und er gibt konkrete Tipps, worauf ethisch-ökologisch motivierte Anleger achten sollten. Denn die jüngste Insolvenz des Windkraft-Finanzierers Prokon mahnt zur Vorsicht.

 

Herr Buch, wenn man sich so manchen TV-Werbespot anschaut, könnte man glatt denken, dass die deutschen Großbanken zu moralischen Instanzen geworden sind.

Diese Spots erwecken tatsächlich den Eindruck, als seien die Großbanken plötzlich Öko-Banken geworden. Dabei geht es ihnen aber wohl weniger um Inhalte als vielmehr darum, das verlorene Vertrauen in der Gesellschaft zurückzugewinnen. Manche rücken sich dabei in ein zu gutes Licht.

 

Immerhin haben sich aber viele Großbanken nach langer, heftiger Kritik aus dem Geschäft mit Nahrungsmittelspekulationen, die in Entwicklungsländern teils zu extrem gestiegenen Preisen für Grundnahrungsmittel geführt haben, zurückgezogen.

Das mag sein. Aber dabei spielten wohl stärker ökonomische als ethische Erwägungen die entscheidende Rolle. Gerne stellen Banken so einen kleinen Aspekt auch im Marketing groß heraus, um insgesamt positiv wahrgenommen zu werden. Das täuscht über andere Bereiche hinweg, in denen sich nichts geändert hat.

 

Aber lässt sich denn immer genau sagen, wo die Grenzen zwischen Ökonomie und Ethik verlaufen? Was konkret sind ethisch-ökologische Geldanlagen?

Wohin geht unser Erspartes? Foto: U. Dreiucker/pixelio.de

Es handelt sich um Geldanlagen, bei denen nicht ausschließlich finanzielle Faktoren wie Rendite, Verfügbarkeit oder Sicherheit, sondern daneben auch ethisch-ökologische Erwägungen eine wichtige Rolle spielen – bei den Anbietern wie bei den Käufern. Eine einheitliche Definition gibt es allerdings noch nicht. Als in den 1980ern die Öko-Bewegung begann, sollte vor allem kein Geld in Anlagen fließen, mit denen Atomkraft und Rüstungsprojekte finanziert werden. Heute existieren neben diesem Ausschlussprinzip noch eine Reihe anderer Methoden, um ethisch-ökologische Kriterien zu definieren – manche sind glaubwürdig, andere weniger überzeugend (siehe Info-Kasten).

 

Wer sind die ethisch-ökologisch motivierten Anleger? Weltverbesserer?

Im Vergleich zu den Achtzigern haben die Anleger heute einen höheren Anspruch: Sie wollen mit Hilfe ihres Geldes die Gesellschaft verändern. Dies ist natürlich immer nur in der Höhe des Kapitalanteils möglich, den diese Anleger zum Beispiel an einem Unternehmen halten. Die Einflussmöglichkeiten sind zwar vorhanden, aber auch begrenzt. Deshalb ist ethisch-ökologisches Investment nur ein Weg, um die Gesellschaft zum Besseren zu verändern.

 

An welchen Stellen genau wollen die Ethik-Anleger ansetzen? 

Die Stiftung Warentest hat vor kurzem eine repräsentative Umfrage durchgeführt, die gezeigt hat, dass den Anlegern in Deutschland ethische Themen wichtiger sind als ökologische. So wollen sie nicht in Investmentfonds und Unternehmen investieren, die zum Beispiel Waffen herstellen oder sich nicht an arbeitsrechtliche Mindeststandards halten. Sie wollen in Anlagen investieren, die Armut bekämpfen, medizinische Einrichtungen schaffen und für gute Bildung sorgen.

 

Folgen den guten An- und Absichten denn auch Taten? Wie groß ist der Sektor?

Richard Buch ist Experte für ethisch-ökologische Geldanlage bei der Stiftung Warentest.

Auf jeden Fall wächst er sehr stark. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass die GLS Bank stark boomt und die niederländische Triodos-Bank in den deutschen Markt eingetreten ist. Allerdings ist der ethisch-ökologische Finanzsektor in Deutschland insgesamt betrachtet noch recht klein: Er macht z.B. bei Investmentfonds und Spareinlagen gut ein Prozent des Gesamtvolumens aus, bei Spareinlagen ist er sogar noch etwas geringer.

 

Hat dieser bescheidene Marktanteil vielleicht auch darin seine Ursache, dass ethisch-ökologische Investitionen den Anlegern recht geringe Gewinne versprechen?

Die Renditen liegen in der Regel sicher unter denen der Top-Anbieter, aber meist auch auf oder sogar über dem Niveau der Angebote, die die meisten Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken machen. Abgesehen davon bekommen aber auch die Kreditnehmer der einschlägigen Banken bessere Konditionen für ihre sozialen und ökologischen Projekte. Wer sein Geld ethisch-ökologisch anlegt, hat also nicht nur seine persönliche Rendite im Auge, sondern auch die gesamtgesellschaftliche.

 

Wie groß ist die Gefahr, dass herkömmliche Banken auf den Ethik-Zug aufspringen, sobald dieser immer mehr an Fahrt gewinnt? Eine ähnliche Entwicklung hat es ja zum Beispiel schon bei Bio-Lebensmitteln gegeben.

Die konventionellen Banken haben längst Corporate Social Responsibility-Abteilungen eingerichtet. Diese Abteilungen für „unternehmerische Sozialverantwortung“ richten das Marketing darauf aus, der Bank einen möglichst sozialen und ökologischen Anstrich zu geben. Im Fonds-Bereich gibt es Öko-Angebote von konventionellen Anbietern, die sich bei genauem Hinschauen als Augenwischerei entpuppen. Ein Siegel für ethisch-ökologische Geldanlagen, wie es in der Branche diskutiert wird, könnte zwar hilfreich sein, kann aber immer auch zweckentfremdet werden.

 

Ethik- und Öko-Anleger sollten formale Aspekte nie außer Acht lassen. Sie sollten immer skeptisch werden, wenn extrem hohe Renditen versprochen werden.

 

Es besteht noch eine andere Gefahr: Dass spektakuläre Einzelfälle wie die Insolvenz des Windkraft-Finanzierers Prokon Investoren von ethisch-ökologischen Geldanlagen abschrecken.

Das Beispiel Prokon zeigt, dass auch Ethik-Anleger formale Aspekte nie außer Acht lassen sollten. Bei Prokon haben viele Anleger so genannte Genussrechte erworben, die im Falle einer Insolvenz des Unternehmens aber nachrangig bedient werden. Anleger sollten immer skeptisch werden, wenn extrem hohe Renditen versprochen werden.

 

Wie können sich Anleger „mit guten Absichten“ am besten informieren, um Risiken so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen und um bei hundert Prozent seriösen Ethik- und Öko-Investments einsteigen zu können?

Klein, aber fein: Die GLS-Bank in Berlin. GLS steht für Geben, Leihen, Schenken.

Die Stiftung Warentest führt regelmäßig Tests und Vergleiche von ethisch-ökologischen Geldanlagen durch. Darüber hinaus werden wir zusammen mit dem Projekt „Klimafreundliche Geldanlage“ der Verbraucher-zentrale Bremen eine entsprechende Investmentfonds-Datenbank einrichten. Die Verbraucherzentrale Bremen bildet derzeit ihre Berater speziell im Bereich ethisch-ökologische Geldanlagen weiter. Eine Anlageberatung in einer Verbraucherzentrale ist zwar kostenpflichtig, aber dafür im Gegensatz zu denen in Geldinstituten neutral und nicht interessengeleitet.

 

Daneben gibt es noch kommerzielle Anlageberatungen wie „Ökofinanz 21“, die sich auf ethisch-ökologische Investments spezialisiert haben. Wie sind diese zu bewerten?

Wie im Beratungsgespräch bei einer Bank sollte man wissen, dass die Berater je nach vermitteltem Angebot unterschiedliche Provisionen bekommen, wenn es sich nicht um eine Honorarberatung handelt. Grundsätzlich ist eine ethisch-ökologische Ausrichtung jedoch auch bei Beratern zu begrüßen.

 

Das Gespräch führte Lutz Frühbrodt.

© 2014 Die Zweite Aufklärung. Fotos 1, 3 und 4: L. Frühbrodt

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