Medienpreis

2018 gewinnen die Faktenchecker von Stimmtdas.org

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Den Medienpreis der Zweiten Aufklärung hat in diesem Jahr das Faktchecking-Portal „Stimmt das?“ gewonnen. Jung, überparteilich und stets sachlich-konstruktiv – das waren die Gründe dafür, dass Stimmtdas den Zuschlag erhalten hat. Unser „Sonderpreis Medienkritik“ ist Teil des Alternativen Medienpreises, dessen Verleihung am 18. Mai im Nürnberger Bildungszentrum stattfand.

Anika Reker und Hauke Pfau nahmen für das Stimmtdas-Team den Preis entgegen. Foto: Frühbrodt

„Wahrheit ist keine Frage der Perspektive“ – dieses schöne Credo hat sich die Initiative Stimmtdas.org gegeben. Der Satz bietet eine wunderbare Steilvorlage für philosophische Diskussionen über Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Aber das Team von Stimmtdas.org geht seine Arbeit ganz bodenständig an: Es untersucht und überprüft Aussagen von Politikern an Hand der Faktenlage. „Banlieues gibt es bald auch in Berlin und Bochum“, behauptete zum Beispiel Alice Weidel von der AfD. „Stimmt nicht“, kontert die Plattform: Die kollektive Stigmatisierung und Diskriminierung bestimmter französischer Vorstadtbewohner habe ganz eigene Wurzeln und sei auf Deutschland nicht übertragbar. Klaus Ernst, Die Linke, urteilt: „Deutschland befindet sich unter den Top Ten der Schattenfinanzplätze weltweit“. Stimmt, bilanziert die Plattform und erklärt: Deutschland weist zwar relativ gute Transparenz-Werte auf. Aber weil sein Anteil an den internationalen Finanztransaktionen insgesamt so hoch ist, fallen die Transparenz-Defizite in absoluten Zahlen umso stärker ins Gewicht. Diese beiden aktuellen Beispiele veranschaulichen, wie die Plattform arbeitet: Differenziert, gründlich, aufklärerisch.

 

Keine Schwarz-Weiß-Schemata – breites Themenspektrum

Aber: Nicht alle Politiker-Aussagen lassen sich in die Kategorien stimmt oder stimmt nicht zwingen, nicht immer geht es um die Entlarvung von Fake News. Und darum kümmert man sich bei stimmtdas.org auch um Halbwahrheiten, die manchmal ja noch viel gefährlicher sein können. „Stimmt, ist aber vereinfachend“ oder „stimmt eher nicht“ können ebenfalls als Schlussfolgerungen vorkommen, nachdem eine steile These anhand von Fakten überprüft wurde. So stellt Stimmtdas.org populistische Schwarz-Weiß-Schemata in Frage – bei allen politischen Richtungen und bei allen Parteien.

Faktenchecks sind doch eigentlich nichts Neues, das bieten Öffentlich-Rechtliche auch, mag man vielleicht denken. Stimmt, um in der Terminologie zu bleiben. Aber: Es handelt sich hier um eine zivilgesellschaftliche Initiative, und die Akteure sind Nachwuchsjournalisten mit ganz unterschiedlichem weltanschaulichem Background. Auf diese Weise kann die Initiative eine hohe Glaubwürdigkeit für sich beanspruchen. Der einschlägige Vorwurf „Lügenpresse“ prallt ab. Es wirkt übrigens auch wohltuend, dass man sich nicht ausschließlich an rassistischen Provokationen von AfD-Vertretern abarbeitet, so wichtig das auch ist, sondern ein viel breiteres Themenspektrum behandelt.

Feierliche Verleihung des Alternativen Medienpreises im Bildungszentrum Nürnberg. Es gab insgesamt sechs Preise. Dritter von links Moderator und Initiator Peter Lokk. Foto: Sven Mainka

Das Team hinter der überparteilichen Faktencheck-Plattform besteht aus 13 Leuten, vorwiegend jung, vorwiegend mit journalistischem Background – und dem gemeinsamen Wunsch, den politischen Diskurs konstruktiv mitzugestalten. Seit Juli 2017 ist die Seite am Start, sie befindet sich noch im Beta-Stadium. Aber mehrmals monatlich erscheinen neue, gründlich recherchierte und gut lesbare Beiträge. Wie viel Fleiß, Mühe und Idealismus das einer rein ehrenamtlich arbeitenden Intiative abverlangt, kann man nur erahnen. Darum hat das Projekt aus unserer Sicht jede Unterstützung verdient – durch praktische Mitarbeit, durch finanzielle Zuwendungen oder eben durch einen Preis.

© Die Zweite Aufklärung 2018

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Annette Floren

Annette Floren ist studierte Geisteswissenschaftlerin und heute Projektmanagerin / Prokuristin eines Berliner IT-Unternehmens, wo sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Anfang 2014 rundete sie ihr Profil als Kommunikationsexpertin mit dem Abschluss "PR-Referentin / PR-Beraterin" ab. Ihr Credo im Job und bei der Zweiten Aufklärung: "Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher." (Albert Einstein). Annette Floren behandelt bei der Zweiten Aufklärung insbesondere Themen wir saubere PR, CSR, Gutes Leben.