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Margot Honecker: Kein Blaustich zwischen Schwarz und Weiß

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Zur NDR-Dokumentation „Der Sturz – Honeckers Ende“, ARD, 02.04.2012, 21.00 h

03.04.2012 – Auf den charakteristischen Blaustich im ergrauten Haar musste der Zuschauer verzichten, aber im übrigen bekam man von Margot Honecker genau das geliefert, was man erwarten konnte: Bornierte Rechtfertigungen der kompletten DDR-Politik, Verleumdung der politischen Opfer als Kriminelle und die Weigerung, über mögliche Fehler auch nur nachzudenken. Die 85-Jährige, die seit 1992 in Chile lebt, war rhetorisch durchaus in Form, doch inhaltlich gab sie den Betonkopf. Trotzdem hätte man aus dem Interview mit ihr mehr machen können.

Drei Stunden lang hat Margot Honecker sich von Eric Friedler, Macher des Films, interviewen lassen; ihre Aussagen wurden eingebettet in Originalaufnahmen aus DDR-Zeiten und konfrontiert mit aktuellen Einschätzungen früherer Politiker und DDR-Bürger. Wenig überraschend der Tenor des Films: Margot Honeckers Einschätzungen und ihre Erzählungen von dem „Erich“ passen so überhaupt nicht zur allmählichen Zerrüttung der DDR und staatlich verordneten Grausamkeiten wie Schießbefehl, Zwangsadoptionen oder dem Jugendknast Torgau.

Margot Honecker 1988, mit verrutschtem Heiligenschein / Foto: wikipedia

Hier Schwarz, da Weiß, alles ganz einfach. Margot Honecker ist böse, der Untergang der DDR ist gut. Funktioniert die Welt so? Nein. Ein etwas differenziertes Bild hätte man von dem 90-Minuten-Streifen schon erwarten dürfen. Entweder über persönliches: Etwa dass die Ehe von Margot und Erich Honecker im Laufe der 80er Jahre als zerrüttet galt und die beiden wohl erst über die Absetzung Honeckers und den Neuanfang in Chile wieder zueinanderfanden. Oder über politisches: Am Ende des Films gibt sich Margot Honecker überzeugt, dass das Korn (des Sozialismus), dass sie in die Erde gelegt hätten, irgendwann noch einmal aufgehen werde. Im Duktus des Films klingt das wie ein letzter Beweis für ihre ideologische Verblendung. Tatsächlich darf man diesen Gedanken ruhig mal fünf Minuten reflektieren, selbst wenn er von der früheren „Miss-Bildung“ stammt.

Zu guter Letzt noch eine Bitte an alle Dokumentarfilmer: Bitte geht doch ein bisschen sparsamer mit der Hintergrundmusik um, die dem Zuschauer immer aufdrängt, was er als nächstes denken und fühlen soll. Liebliche Violinen, unheildrohende Celli – wir brauchen das nicht. Entweder Ihr setzt auf die Kraft Eurer Bilder und Worte, oder Ihr wechselt gleich das Genre und macht in gefühlvoller Musik.

AF

© Die Zweite Aufklärung 2012

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Annette Floren

Annette Floren ist studierte Geisteswissenschaftlerin und heute Projektmanagerin / Prokuristin eines Berliner IT-Unternehmens, wo sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Anfang 2014 rundete sie ihr Profil als Kommunikationsexpertin mit dem Abschluss "PR-Referentin / PR-Beraterin" ab. Ihr Credo im Job und bei der Zweiten Aufklärung: "Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher." (Albert Einstein). Annette Floren behandelt bei der Zweiten Aufklärung insbesondere Themen wir saubere PR, CSR, Gutes Leben.

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