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Fußball-WM: Der Sieger stand schon vorher fest

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14.7.2014 – Eigentlich stand schon vor dem großen Finale der Fußball-WM der Sieger fest. Der wahre Sieger heißt: öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Und zwar nicht nur auf Grund seiner gigantischen Einschaltquoten, sondern wegen seiner vermeintlich alles überragenden Qualität. ARD und ZDF feiern sich mit einer repräsentativen Umfrage: Quer durch alle sozialen Schichten und Bevölkerungsgruppen hindurch würden drei Viertel aller Befragten der WM-Berichterstattung die Note „sehr gut“ oder „gut“ geben. Ein Wunder?

Nein. Schließlich wollen die Menschen ja die Spiele sehen und die Laune steigt zusätzlich, wenn sich die deutsche Nationalelf bis auf den Thron schießt. Also keine große Überraschung.

 

Allumfassendes Pathos

Zudem fühlten sich über 90 Prozent der Befragten von den Öffentlich-Rechtlichen „umfassend“ über die WM in Brasilien informiert. Ob das gut oder schlecht ist, bleibt dahin gestellt. Tatsache ist, dass man regelrecht zugemüllt wurde mit redundanten Interviews, sensationsheischenden Vorberichten und einem aufgesetzten Pathos, für das so manches Mal vor allem die laut aufgedrehte Hintergrundmusik sorgte.

Selbst als eingefleischter Fußball-Ignorant konnte man der WM kaum entfliehen, wenn sogar in den Nachrichtensendungen mehr als ausführlich über das globalisierte Rumgekicke der Millionarios berichtet wurde. Trauriger Höhepunkt dabei: Ein Live-Interview im „Heute-Journal“ mit dem Brasilien-Korrespondenten des ZDF, der beim 1 zu 7 der Selecao gegen Deutschland in der Halbzeitpause absolut überraschend eine „Schockstarre pur“ beim Publikum ausmachte, ansonsten aber rein gar nichts zu sagen hatte.

 

Scholl und Welke yeah, Kahn und Opdenhövel bäh!

Gut und gern verzichten kann man in Zukunft auch auf Mathias Opdenhövel (eher Marktschreier als Moderator) bei der ARD und ZDF-„Experte“ Oliver Kahn, der durch viel Meinung, aber wenig Ahnung auffiel. Einen guten Job machten immerhin ZDF-Moderator Oliver Welke, der immer wieder mal leichte ironische Distanz zum Geschehen aufblitzen ließ, und vor allem Mehmet Scholl mit seiner erfrischend unkonventionellen Art (van Gaal und der „besonders große Fußballkeks“).

Den klaren journalistischen Tiefpunkt markierte jedoch ARD-Kommentator Tom Bartels beim noch torlosen WM-Finale Deutschland gegen Argentinien. Als kurz die Jesus-Statue über Rio eingeblendet wurde, entblödete er sich nicht zu salbadern: „Jesus Christus, der Erlöser! Wer erlöst Deutschland in diesem Finale?“ Vor ein paar Tagen hatte sich Bartels darüber aufgeregt, wie viel negative Stimmung ihm im Internet entgegen schlage. Er hat keinen Grund.                                       LF

© 2014 Die Zweite Aufklärung

 

 

 

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