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Faire Mode darf auch gut aussehen

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Modenschauen verfolgen nicht immer den rein kommerziellen Zweck, neue Kleidung unters Volk zu bringen. Manchmal geht es eher darum, Kleid gewordene neue Ideen zu präsentieren. Ein ähnlicher Eindruck entstand bei der Fairtrade-Modenschau an diesem Wochenende im bayerischen Eichstätt: Die rundherum sympathische Show demonstrierte gute Taten und viel Engagement. Vielleicht braucht es aber noch ein bisschen mehr, damit sich auch modebewusste Menschen verstärkt Fairtrade-Bekleidung zulegen und ökologisch und sozial produzierte Textilien salonfähig werden.

Defilee der Models. Auch Männer tragen Fair produzierte Mode.

Defilee der Models. Auch Männer tragen mittlerweile Fair produzierte Mode.

Eichstätt – Die Besucherreihen sind gut gefüllt bei der Fairtrade-Modenschau am Samstagnachmittag im Ladenlokal „Weltbrücke“ in der Eichstätter Altstadt. Gut 50 Leute erwarten gespannt die Modenschau. Ein paar Honoratioren der Lokalpolitik sind gekommen, ältere und jüngere Frauencliquen, Paare verschiedenen Alters. Hinter dem Vorhang, der den Laufsteg abgrenzt, huschen die Models umtriebig hin und her. Dass es sich um eine besondere Modenschau handelt, lässt sich schon an den Plakaten an den Wänden ablesen, die zum Beispiel folgende Information liefern: Bei herkömmlicher Kleidung, die in Billiglohnländern produziert wird, bekommen die Näherinnen nur etwa ein Prozent des Verkaufspreises. Der Löwenanteil geht für Markenführung, Verkauf, Lagerhaltung und Transportwege drauf. Die Fairtrade-Bewegung setzt sich für gerechtere Produktionsbedingungen ein – ein Anliegen, das man nur begrüßen kann.

 

Der Catwalk – in der Fairtrade-Szene noch die Ausnahme

Die Modenschau beginnt mit einem kurzen Film über die Fairtrade-Idee, immer wieder anschaulich demonstriert durch die teils katastrophalen Produktionsbedingungen in Bangladesch, wo 2012 ein Brand in einer Textilfabrik 112 Menschen das Leben kostete. Begleitet werden die eingeblendeten Folien von Live-Musik, ein Schlagzeuger und ein Gitarrist zaubern angenehme Klänge im Hintergrund. Es fehlen ein paar Worte zur Begrüßung, eine kleine Moderation, die dem Ganzen einen Rahmen gegeben hätte. Man merkt, dass Events dieser Art in der Fairtrade-Szene noch eher eine Seltenheit bilden.

Die Fairtrade-Models müssen nicht immer nur Größe 34 tragen.

Die Fairtrade-Models müssen nicht immer nur Größe 34 tragen.

Und dann geht’s los mit der Modenschau: Rund zehn verschiedene Models, allesamt weit entfernt vom albernen Getue der Germanys-Next-Topmodel-Tussis, präsentieren die Mode: Einige von ihnen sind jung und schlank, andere ein paar Jahre älter und ein paar Pfund schwerer und damit herrlich normal. Auch einige junge Männer sind dabei. In klassischer Model-Manier, nur eben natürlicher und freundlicher, laufen sie den 20 Meter langen Parcours zwischen den Besucherstühlen hin und wieder zurück – und freuen sich über den großzügigen Applaus.

Fair produzierte Kleider, Shirts, Röcke, Hosen, Jacken, Schals und Handtaschen aus Filz kommen in reicher Vielfalt zum Einsatz. Rund 45 Minuten dauert die Show, bestimmt 100 Fairtrade-Stücke werden über die Bühne getragen, unterbrochen von einigen eingeblendeten Folien über die beteiligten Firmen. Fairtrade ist mehr als nur ein wohlklingender Begriff: Seriöse Kontroll- Institutionen vergeben ihre Fairtrade-Label nur nach Prüfung der ökologischen Nachhaltigkeit und der Einhaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen mit gerechtem Lohn.

Doch auch als wohlwollende Betrachterin – mit ganz normalem Interesse an hübscher Kleidung und ohne übertrieben ausgeprägtes „Fashion-Gen“ – kann frau sich des Eindrucks nicht erwehren: Vom Öko-Image der 80er Jahre, als Fairtrade-Produkte in Eine-Welt-Läden verkauft wurden und immer ein bisschen zu bunt, kratzig oder unförmig oder alles auf einmal waren, hat sich diese Mode offensichtlich noch nicht ganz erholt. Die grob gestrickten Pullover und Jacken können als lässig durchgehen. Die Filz-Handtaschen sind mit schönen Mustern und Schnitten verarbeitet, aber ein bisschen plump und insofern vielleicht doch keine Alternative zu schmutzabweisenden Lederhandtaschen mit Innenfuttern. Der Coolnessfaktor der Fairtrade-Bluejeans liegt nahe Null: eigenartiges Material, zu weiter Schnitt. Die Shirts: eher für den Sport und für den Strand-Urlaub geeignet. Zu Menschen aus der Alternativ-Szene passt der Look, zu anderen nicht unbedingt.

 

Tolle Initiative – weniger tolle Mode

So bleibt von der Modenschau ein zwiespältiger Eindruck zurück: Tolle Initiative, Hut ab vor den Organisatorinnen und allen Mitwirkenden. Aber: Wie schön wäre es, fair produzierte Kleidung mit Stolz und Eleganz tragen zu können! Die Zielgruppe von Frauen ab 25, die sich ein T-Shirt gern mehr als fünf Euro kosten lassen, wenn es dafür auch ein paar Jahre hält und ohne schlechtes Gewissen getragen werden kann, dürfte riesig sein. Für die Optik sollte man sich jedoch nicht mit politischen Erklärungen rechtfertigen müssen. Die Idee des Fairtrade bleibt absolut richtig und ehrenwert. Aber für die Umsetzung, die letztlich auch zu einer Erhöhung des Anteils fair gehandelter Kleidung führen soll, braucht es noch ein bisschen mehr Sinn für Eleganz, Lässigkeit und Raffinesse. Gut produzierte Klamotten dürfen ruhig auch gut aussehen.

Und hier noch einige Foto-Impressionen von der Eichstätter Fairtrade-Modenschau:

Tattoo-Lady-1 Flotti-1 Tilmann Lockenkopf-2 GNTM-Model Mädel-1 Tattoo-Lady-2 Abgang

 

Und tschüss!

© Die Zweite Aufklärung 2015 (Text und sämtliche Fotos)

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Annette Floren

Annette Floren ist studierte Geisteswissenschaftlerin und heute Projektmanagerin / Prokuristin eines Berliner IT-Unternehmens, wo sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Anfang 2014 rundete sie ihr Profil als Kommunikationsexpertin mit dem Abschluss "PR-Referentin / PR-Beraterin" ab. Ihr Credo im Job und bei der Zweiten Aufklärung: "Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher." (Albert Einstein). Annette Floren behandelt bei der Zweiten Aufklärung insbesondere Themen wir saubere PR, CSR, Gutes Leben.

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