Berliner Salon

25. Salon: „Islam und demokratische Grundrechte“

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11.04.2015 – „Ist der Islam mit demokratischen Grundrechten und westlichen Werten vereinbar?“ lautete die Frage, die über dem 25. Salon-Abend der Zweiten Aufklärung am 10.04.2015 stand. Eingerahmt von einem orientalischen Buffet diskutierten die Teilnehmer lebhaft und kontrovers über Zerrbilder und Polarisierungen, die die öffentliche Diskussion in Deutschland über den Islam bestimmen.

Pilger am Ziel - die heilige Moschee in Mekka. Predigt der Islam Unterwerfung? Oder erlaubt er individuelle Freiheiten? Foto: Jasmin Meran/Fotolia

Pilger am Ziel – die heilige Moschee in Mekka. Predigt der Islam Unterwerfung? Oder erlaubt er individuelle Freiheiten? Foto: Jasmin Meran/Fotolia

Einigkeit herrschte darüber, dass der muslimische Glaube stark an Hand von äußeren Symbolen wie Kopftuch und Burka beurteilt wird und viele Menschen im Westen dazu neigen, den Islam von vornherein mit dem gewaltbereiten, fundamentalistischen Islamismus gleichzusetzen. An der Frage, ob der Islam ähnlich wie das Christentum erst noch eine Phase der Aufklärung durchleben müsse, um mit humanistischen Wertvorstellungen, allen voran den individuellen Selbstbestimmungsrechten des Menschen, vereinbar zu sein, schieden sich dagegen die Geister.

Die Art und Weise, wie Moslems ihren Glauben in Deutschland leben, hängt stark von ihrer sozialen Zugehörigkeit ab. Ebenso wie beim Christentum und anderen Religionen besteht immer eine Wechselwirkung zwischen der sozio-kulturellen Umgebung und der Ausgestaltung des Glaubens. Radikalisierungen gehen oft aus einem Gefühl sozialer Isolierung hervor. Dies trifft auf Islamisten ebenso wie hilflos verängstigte Pegida-Anhänger zu, die beide jeweils stärker auf Abgrenzung und Feindbilder als auf Verständigung aus sind.

 

Kommt die Aufklärung ursprünglich aus dem Morgenland?

Die originelle These eines Diskutanten: Die westliche Aufklärung sei – unabsichtlich – aus dem Islam entstanden, weil einige Teilnehmer an den Kreuzzügen im 11. und 12. Jahrhundert die kulturelle Überlegenheit des Nahen Ostens erlebt und deshalb nach ihrer Rückkehr die päpstliche Autorität in Frage gestellt hätten.

Burka, Kopftuch und Schleier sind Symbole des Islam. Deutet sie der Westen richtig oder falsch? Foto: Sylvie Bouchard/Fotolia

Burka, Kopftuch und Schleier sind Symbole des Islam. Deutet sie der Westen richtig oder falsch? Foto: Sylvie Bouchard/Fotolia

Können die „westlichen“ Werte von Demokratie, Toleranz, Selbstbestimmung als universal gelten, oder sind sie ihrerseits nur Auswuchs einer bestimmten Kultur? Kann man ethische Wertvorstellungen trennen von Religionen, zumal wenn diese mit weltmissionarischem Anspruch unterwegs sind? Einige Diskutanten sprachen sich dafür aus, dem Islam mit mehr Toleranz zu begegnen und sich nicht an martialisch klingenden Koran-Zitaten zu verbeißen – die Werte von Liebe und Frieden seien dort ebenso wie im Christentum vorherrschend. Andere Salon-Teilnehmer warnten dagegen deutlich vor den Machtansprüchen des Islam wie auch des Christentums, die demokratischen Grundwerten entgegenstünden.

Das Zitat des Abends: Religion wirkt oft als Brandbeschleuniger bei Auseinandersetzungen. Wo (pseudo)religiöse Überzeugungen im Spiel sind, werden Kriege mit härterer Brutalität ausgetragen als anderswo – ein Phänomen, das sich ganz und gar nicht mit der Botschaft von Liebe und Frieden verträgt.

© Die Zweite Aufklärung 2015/Titelfoto: Fotolia – Sylvie Bouchard

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