Zweite Aufklärung

17. Salon: Kabarettist Gunkl spielt für die Zweite Aufklärung

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11.8.2013 – Viele Fehlschläge hatte die Menschheit schon zu erleiden bei ihren Versuchen, sich die Welt Untertan zu machen. Einer der weniger bekannten davon ist das Projekt, die künstliche Weltsprache „Volapük“ (phonetisch zusammen gezogen aus World und Speak) zu etablieren – basierend auf der Idee, nur das sprachlich zu benennen, was wünschenswert ist. Anders ausgedrückt: Was keinen Namen hat, existiert auch nicht. Erstaunlicherweise konnte diese geniale Idee nicht für ein Paradies auf Erden sorgen, und die gesamte Volapük-Sprache war wenige Jahre nach ihrer Erfindung in den 1880er Jahren schon wieder out.

Von dieser und anderen „Kränkungen der Menschheit“ erzählte Gunkl, einer der bekanntesten und wichtigsten Kabarettisten Österreichs, im Sommer-Highlight des Salons der Zweiten Aufklärung (9.8.2013) – und bot philosophisch hochwertiges Kabarett in charmanter Wiener Mundart. Der Volapük-Flop, so führte es Gunkl seinem Publikum vor Augen, reiht sich ein in eine ganze Palette von Fehlschlägen: Zum Beispiel die Erkenntnis, dass die Erde und mit ihr der Mensch nicht im Mittelpunkt des Universums steht. Dass wir es bis heute nicht geschafft haben, die Natur in den Griff zu bekommen. Und dass Hirnforscher neuerdings sogar die Freiheit des menschlichen Willens in Frage stellen.

Der Mensch steht nicht im Mittelpunkt des Universums, er ist nicht Gottes Geschöpf, wird von Trieben gesteuert und hat keinen wirklich freien Willen: "Die großen Kränkungen der Menschheit" - präsentiert vom österreichischen Kabarettisten Gunkl

Seine ganz persönlichen Kränkungen fügte der Kabarettist noch hinzu: Schmerzlich habe ihn die wissenschaftliche Entdeckung getroffen, dass der Mensch sich nicht aufgrund seines großen Hirns evolutionär habe durchsetzen können, sondern wegen seines überdurchschnittlich aktiven Sexualorgans. Noch mehr, und zwar ausnahmsweise ganz ohne Ironie, belastet ihn die Feststellung, „dass wir Religion noch immer nötig haben“, dass wir uns „gutes Handeln von der Kirche wegmonopolisieren lassen“. Schlimme Anfechtungen gegen den aufgeklärten Geist Gunkl.

Einfach etwas besser sein als die Tiere

Die Konsequenz? Nicht resignieren, rät der Kabarettist in seinem Schlussplädoyer, das er bescheiden als „Vorschlag“ präsentiert: „Tun wir so, als könnten wir uns anständig verhalten, obwohl wir wissen, dass uns das nicht immer gelingt.“ Und: „Lasst uns als Menschen die Sachen etwas besser machen, als es sein muss, im Gegensatz zu den Tieren, die das nicht können.“ Dies sei eine zutiefst menschliche Qualität, die gleichzeitig für ein menschlicheres Miteinander sorgen kann.

Selten kommt Kabarett so naturwissenschaftlich fundiert daher wie in Gunkls aktuellem Programm mit so vielen klugen Ideen, die dennoch auf heiteren und unterhaltsamen Wegen in die Köpfe der Zuschauer gelangen. Bedingungslose Zustimmung hat Gunkl bei den Zuschauern und -hörern nicht für alle seine Thesen geerntet. Aber er betont selbst, dass er als Kabarettist nicht geliebt werden will. Unbestritten ist es ihm aber gelungen, Feuerwerke in den Gehirnen seiner Zuhörer auszulösen. Langweilig geht anders.

Die Zweite Aufklärung e.V. dankt Gunkl ganz herzlich für seinen Auftritt beim Sommer-Salon 2013, den er von sich aus ganz spontan bei einem zufälligen Kennenlernen vorschlug.

© 2013 Die Zweite Aufklärung (Text und Fotos)

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