Berliner Salon

Salon-Abende 2011

Salon-Eckoldt-Tugendbuch in Salon-Abende 2011

Philosoph René Weiland und Schriftsteller Matthias Eckoldt präsentierten ihr Buch „Wozu Tugend?“ beim 5. Salon im Oktober 2011. Foto: Frühbrodt

5. Salon: 28.10.2011 – Lesung: Wozu Tugend?
Die Frage „Wozu Tugend?“ stellten sich der Schriftsteller Matthias Eckoldt und der Philosoph René Weiland in ihrem 70-Seiten-Buch, aus dem sie lasen und über dessen Thesen die Salon-Teilnehmer anschließend diskutierten. Schon immer haben Kirche und Staat den Tugend-Begriff und die Kardinaltugenden – Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maßhalten – vereinnahmt. Die Autoren werfen in ihrem Essay jegliche Instrumentalisierung über Bord und plädieren für einen befreiten, nämlich ganz und gar individualisierten Tugendbegriff. Sie betrachten das Phänomen philosophisch-abstrakt, nicht politisch, ethisch oder kulturkritisch. Für eine rege Diskussion sorgte die Frage, wie weit die völlige Individualisierung der Tugend – fernab von Kulturkreis und Wertvorstellungen – überhaupt erreichbar ist. Und auch, ob dies überhaupt wünschenswert sei.

 

4. Salon: 08.07.2011 – Sommerkino „Deutschland 09“
Der Film ist eine 150-minütige Collage aus 13 Kurzfilmen der Crème de la Crème deutscher Regisseure wie Wolfgang Becker, Fatih Akin, Dani Levy, Dominik Graf und und und. Ganz bewusst lehnt sich der Streifen an das legendäre „Deutschland im Herbst“ von 1978 an, mit dem Fassbinder, Schlöndorff & Co. ein düsteres Bild vom noch relativ jungen Westdeutschland zeichnen: allgegenwärtig Überwachung und Polizei im Angesicht der RAF-Bedrohung, überall die braunen Spuren der Vergangenheit …Als Bilder zur aktuellen Lage der Nation sehen wir in „Deutschland 09“ dagegen: Bausünden, Puffbesitzer, Untergang des Sozialstaats, Verarmung, Gleichmacherei durch Globalisierung – und wieder staatliche Verfolgungsparanoia auf Grund tatsächlicher oder angeblicher Bedrohung durch Terroristen.

Deutschland-09-Filmcover-150x150 in Salon-Abende 2011Die Machart der Filme ist völlig unterschiedlich, alle sind jedoch stark politisch – also anders als die Blockbuster der deutschen Star-Regisseure, die hier am Werke sind. Darüber entspann sich eine Diskussion, ob der Kinofilm von heute zumindest implizit gesellschaftspolitische Aussagen treffen solle oder ob er dies eh nicht schon tue, aber mit künstlerisch subtileren Mitteln als die früheren Generationen der Star-Regisseure. Und falls ja, was sie dazu bewege – ein gewandeltes Kunstverständnis oder der Kniefall vor kommerziellen Zwängen.

 

3. Salon: 20.05.2011 – Bericht über Mali: Was kann Entwicklungspolitik leisten?
Annette Lohmann ist entwicklungspolitisch aktiv im westafrikanischen Mali; sie leitet das dortige Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung. Annette und ihr Mann Thomas Greven hielten einen reich bebilderten Vortrag über „Strategien des friedlichen Zusammenlebens in einer multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft.“ Mali ist eines der ärmsten Länder der Erde, dennoch funktioniert die Demokratie – allerdings mit Regeln, die eher auf persönlichem Zusammenhalt denn auf westlichen Vorstellungen von Modernisierung beruhen. Der Abend machte deutlich, dass jahrhundertelange Traditionen meist stärker sind als jahrzehntelange Anstrengungen in der Entwicklungspolitik.

 

2. Salon: 15.04.2011 – Utopien: Thomas Morus und Pierre-Joseph Proudhon
Dem aufgeklärten Menschen muss nicht alles gehören, was er benutzt. Viel zu sehr definieren wir uns über unseren Besitz auf Kosten des Gemeinsinns. Zu diesem Thema haben Vordenker bereits seit Jahrhunderten Utopien entworfen, die Gegenmodelle bieten. Annette Floren stellte dazu „Utopia“ von Thomas Morus aus dem Jahr 1516 vor. Thomas Schwier erklärte die Ideen des Anarchisten Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865), der den Sinnspruch „Eigentum ist Diebstahl“ geprägt hat. Für den musikalischen Rahmen an diesem Abend sorgte Thomas Greven mit seinen Songs.

 

1. Salon 11.03.2011 – Die Premiere: Was will die Zweite Aufklärung?

Als Gastgeber heißen Lutz Frühbrodt und Annette Floren erstmalig die Salon-LöwInnen willkommen. Anlass der Runde: Lutz Frühbrodt führt in die Idee der „Zweiten Aufklärung“ ein. Die von Immanuel Kant formulierte Kernidee der Ersten Aufklärung – der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit – sei bisher nur in Ansätzen realisiert, so Frühbrodt. Waren es früher Staat und Kirche, die den Bürger massiv in seiner individuellen Freiheit einschränken, so hätten inzwischen Großunternehmen diese Rolle übernommen. Der Einzelne solle vor allem zum braven Konsumenten abgerichtet werden. Ein neuer, zweiter Aufklärungsschub müsse die Individuen dazu befähigen, dies zu erkennen und sich, so denn sie es wollen, von diesen Fesseln zu befreien.

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Immanuel Kant/Foto: Wikicommons

Als Hauptinstrument diene dazu nach wie vor die eigene Vernunft, der ganz persönliche Verstand. Im Mittelpunkt der Diskussion stand zum einen die Frage, inwieweit allein Vernunftbegabung als Allheilmittel dienen könne. Zum anderen wurde intensiv darüber diskutiert, inwieweit Aufklärung selbst den freien Willen des Menschen manipuliere. Dazu die Antwort Frühbrodts: Vernunftgeleitete Aufklärung dient allein als ein Instrument, das jeder selbst nach Belieben einsetzen kann. Sie ist ein Prozess, gibt also qua definitionem keine Inhalte oder gar Dogmen vor.

© Die Zweite Aufklärung 2012

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