Gutes Leben

Online-Plattform Fairmondo: Shoppen mit gutem Gewissen

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Fairmondo-Facebook Header Produktwolke-300x111 in Online-Plattform Fairmondo: Shoppen mit gutem Gewissen Es ist eine unschlagbare Kombination. Auf der einen Seite steigt der Anteil des Online- und Versandhandels am Einzelhandelsumsatz von Jahr zu Jahr an. Auf der anderen Seite kaufen immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher Fairtrade-zertifizierte Produkte. Beste Voraussetzungen also für den fairen Online-Marktplatz „Fairmondo“, der sich sympathisch-genossenschaftlich präsentiert und viele ideelle Unterstützer hat. Allerdings braucht Fairmondo noch viel mehr Umsätze, sonst droht dem Geschäftsmodell schon bald das Aus. Darum ist es an der Zeit für faire Einkäufe – zu Weihnachten und als guter Vorsatz für 2015.

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Der Fairmondo-Vorstand. Links: Gründer Felix Weth.

Als Felix Weth Anfang 2013 die faire Online-Plattform „Fairnopoly“ (heute: „Fairmondo“) ins Leben rief, ging es ihm keineswegs um den ganz großen Reibach, wie ihn etwa die Samwer-Brüder mit dem Online-Handel Zalando anstreben. Weth formulierte stattdessen sein Ziel nicht als Business Case, sondern als Ideal: „Wir wollen eine Wirtschaft, die nach den Prinzipien von Fairness und Kooperation funktioniert.“ Auf lange Sicht soll Fairmondo nicht weniger darstellen als eine verantwortungsvolle, demokratisch organisierte Alternative zu Amazon und Ebay. Adressiert wird der „regelmäßige Online-Einkäufer mit Gewissen“. Sowohl private als auch gewerbliche Anbieter können Artikel über die Online-Plattform mit dem Motto „Gutes einfach entdecken“ verkaufen. Am besten ist Fairmondo in der Kategorie „Bücher“ sortiert: Mit 1,5 Millionen verfügbaren Büchern, die dank einer Kooperation mit dem grünen Online-Buchhandel „Ecobookstore“ versandkostenfrei geordert werden können, bietet man sich als freundliche Alternative zu Marktbegleitern an, die ihre Mitarbeiter in ungünstige Tarifverträge zwängen wollen und Verlage unter Druck setzen. Bekleidung, Lebensmittel, Haushaltsgegenstände und viele weitere Produkte finden sich in den übrigen Kategorien. Und: Per Suchfilter kann man ganz gezielt nach „fair“ und „öko“ gelabelten Produkten suchen.

 

Zahlen und Fakten zu www.fairmondo.de

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    Geno 2.0: Demokratisch, interaktiv, online.

    Fairmondo ist als „Genossenschaft 2.0“ organisiert, also eine eine Genossenschaft mit interaktiver, onlinegestützter Ausrichtung. 1.900 Personen haben Beträge zwischen 50 und 10.000 Euro in die Genossenschaft eingebracht.

  • Im September 2013 ging der Marktplatz online, damals noch unter dem Namen „Fairnopoly“.
  • Das Angebot gliedert sich in die Kategorien Bücher, Dienstleistungen, Elektronik, Fahrzeuge, Freizeit & Sport, Gesundheit & Pflege, Gutscheine, Kinder & Baby, Kunst & Sammeln, Lebensmittel, Medien, Mode, Wohnen & Leben, zu verschenken.
  • Sechs Prozent des Artikelendpreises gehen als Provision an Fairmondo. Ein Prozent des Umsatzes pro verkauftem Artikel führt Fairmondo an Initiativen ab, die sich gegen Korruption einsetzen. Sonstige Gebühren fallen weder für Käufer noch Verkäufer an.
  • Je nach Anbieter bezahlt man bei Fairmondo per Überweisung / Vorkasse, Paypal, Barzahlung bei Abholung oder gegen Rechnung. Kreditkartenzahlungen sind nicht vorgesehen.
  • Bei Fairmondo darf das höchste Gehalt maximal drei Mal so hoch sein wie das niedrigste.
  • Im November 2014 benannte sich die Plattform um in „Fairmondo“ – um den weltumspannenden Charakter des Fair-Trade-Gedankens zu betonen und um nebenbei Namensrechtsstreitigkeiten mit Monopoly aus dem Weg zu gehen.

 

Fair, online, regional und interaktiv im Dialog mit den Stakeholdern

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Die Fairmondo-Botschaft sind bundesweit im Einsatz, um die (Anti-)Marke bekannter zu machen. In der Alternativszene, aber auch darüber hinaus.

Unorthodox und phantasievoll kommt das „Botschafterprogramm“ daher, mit dem Fairmondo regionale Multiplikatoren für die gute Sache installiert. In vielen großen deutschen Städten gibt es Fairmondo-Botschafter, die vor Ort für Vorträge zu dem Projekt zur Verfügung stehen. Auf der Fairmondo-Website stellen sie sich mit ihrem Credo vor: „Fairmondo sprach, es werde fair. Und es ward fair“, postet Heiko, Botschafter in Magdeburg. Und Jan aus Hamburg fragt rhetorisch: „Warten bis sich etwas verändert? Nö – selbst fairändern!“

Es dürfte nicht viele stationäre oder Online-Händler geben, die öffentlich Konsumkritik üben und dem Besitzballast den Kampf ansagen. Fairmondo tut es und postuliert den bewussten Konsum ohne verlogene, materialistische Glücksversprechen. Darum gibt es nur einen Klick von der Fairmondo-Einkaufsplattform entfernt einen Blog „Meinungen“ mit allerlei kapitalismuskritischen Beiträgen – etwa über gemeinschaftliche Nutzung von Konsumgütern und das Experiment „Ein Jahr ohne Zeug“, dessen Initiatoren dazu aufrufen, ein Jahr lang komplett auf den Kauf von Gebrauchsgütern zu verzichten.

Dieser Spagat – die Kunden einerseits vom Konsum abzuhalten und sie andererseits zum Konsum (via Fairmondo) zu ermuntern – deutet freilich auf ein strukturelles Problem hin: Fairmondo adressiert eine Zielgruppe, die ihr Glück normalerweise nicht im Kaufrausch findet.

 

Transparenz ohne Schamgrenze

Nach gut einem Jahr Echtbetrieb lautet die Bilanz für Fairmondo: Möglicherweise gelingt es leichter, ideelle Unterstützer zu gewinnen als reale Käufer. Denn der große Enthusiasmus unter den Gründern, Genossen und Botschaftern steht in keinem Verhältnis zu den bisher tatsächlich über die Plattform erfolgten Verkaufstransaktionen.

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Hingucker für die gute Sache: Das Fairmondo-Team steht mit Haut und Haar für volle Transparenz.

Fairmondo hat sich selbst zu vollständiger Transparenz verpflichtet – und wenn die Genossenschaft „Schluss mit den auf Hochglanz polierten Märchengeschichten“ in Werbung und Geschäftsberichten fordert, lässt sie das auch in beinahe brutaler Weise gegen sich selbst gelten. Monatlich veröffentlicht Fairmondo die Geschäftszahlen online: Stand Anfang November 2014 sind knapp 1.000 gewerbliche und über 5.800 private Nutzer registriert, doch die monatlichen Umsatzzahlen dümpeln im mittleren bis höheren vierstelligen Euro-Bereich vor sich hin.

Bis Fairmondo sich wie geplant aus den Provisionen der Artikelverkäufe selbst trägt, sind folglich noch dicke Bretter zu bohren. Im Gegenteil hat das Projekt sogar schon zwei Finanzierungskrisen hinter sich. Der letzte Engpass wurde zwar im November 2014 per Crowdfunding kurzfristig behoben – aber das wird sich nicht beliebig oft wiederholen lassen. Für das dauerhafte Überleben sind keine Spenden, sondern Umsätze erforderlich. Neuen Schwung sollen eine forcierte Pressearbeit sowie ein Affiliate-Programm bringen, mit dem Website-Betreiber oder Social-Network-Nutzer motiviert werden, auf Fairmondo-Produkte zu verlinken. Fairmondo muss bekannter werden, um mehr Kunden anzuziehen, lautet die schlüssige Strategie.

 

Kauft, Leute, kauft!

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Unsere Wirtschaft ist änderbar – wenn die Konsumenten mitwirken.

Es wäre außerordentlich bitter, Fairmondo an Finanzierungsproblemen scheitern zu sehen. Denn abgesehen von dem konkreten Projekt geht es um die große Idee, gegenüber den derzeitigen Online-Marktplatz-Monopolisten eine gerechte, genossenschaftlich organisierte Alternative zu etablieren. Wenn Fairmondo aufgeben müsste, könnte das viele entmutigen und zu dem Schluss verleiten, dass fairer Online-Handel eben doch keine Chance gegen die großen Player hat.

Natürlich kann sich Fairmondo nicht mit Amazon messen, vor allem weil das Angebot mit Ausnahme der Rubrik Bücher deutlich kleiner ist. Dementsprechend lassen sich auch die Suchfilter nicht haargenau auf den persönlichen Geschmack einstellen. Vielleicht kann man es aber sogar als Erleichterung ansehen, wenn man beispielsweise in der Rubrik „Kinderbekleidung“ nur die Auswahl zwischen 320 (Fairmondo) und nicht zwischen Abertausenden (Amazon) Artikeln hat. Bis zum Kauf einer Ware sind jedenfalls bei Fairmondo nicht einmal mehr Klicks erforderlich als bei Amazon, und die Benutzerführung funktioniert genauso intuitiv. Auch die Preise sind nicht höher als anderswo.

Dass Fairmondo sich nicht ebenso professionell-allgegegenwärtig präsentieren kann wie die hochpotente Amazon-Konkurrenz – geschenkt. Dafür hat man bei Fairmondo die einmalige Chance, sich als User und / oder Genosse einzubringen, Verbesserungsvorschläge zu machen und deren Umsetzung mitzuerleben. Wer seine sozialen Ideale und sein (Kauf-)Verhalten miteinander in Einklang bringen möchte, ist hier sicher gut aufgehoben. Man riskiert nicht viel, wenn man die persönlichen Einkaufsgewohnheiten einmal überprüft und Fairmondo eine Chance gibt – zum Beispiel beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke. Das Projekt hat es verdient.

© Die Zweite Aufklärung 2014 (Fotos: Fairmondo)

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Annette Floren

Annette Floren

Annette Floren ist studierte Geisteswissenschaftlerin und heute Projektmanagerin / Prokuristin eines Berliner IT-Unternehmens, wo sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Anfang 2014 rundete sie ihr Profil als Kommunikationsexpertin mit dem Abschluss "PR-Referentin / PR-Beraterin" ab. Ihr Credo im Job und bei der Zweiten Aufklärung: "Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher." (Albert Einstein). Annette Floren behandelt bei der Zweiten Aufklärung insbesondere Themen wir saubere PR, CSR, Gutes Leben.