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Medienpreisträger Oppong: „Es lohnt sich, für sein Recht zu kämpfen“

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Oppong-Portraet in Medienpreisträger Oppong: Es lohnt sich, für sein Recht zu kämpfen18.5.2014 – Marvin Oppong heißt der diesjährige Träger des Medienpreises der Zweiten Aufklärung. Oppong hat sich nach Ansicht der Jury in außergewöhnlicher Weise für die Informationsfreiheit in diesem Land eingesetzt. Er hat einen sieben Jahre lang dauernden Prozess gegen den WDR angestrengt – und schließlich gewonnen. Der WDR muss ihm Auskunft auf seine Anfragen geben. Im Interview mit Lutz Frühbrodt erzählt der freiberufliche Journalist, welche Auswirkungen der WDR-Prozess für ihn persönlich und den Journalismus insgesamt hat.

Wie haben Sie in den sechs Jahren, als der Prozess gegen den WDR lief, geschlafen? Stellt so eine Klage nicht eine schwere seelische Belastung für einen Freiberufler dar?

Ich habe gut geschlafen. Aber es war auch belastend, die Sache so lange mit sich herumzuschleppen. Man will ja gerne ein journalistisches Thema, an dem man arbeitet, auch irgendwann mal abschließen. Das ging hier über Jahre nicht.

 

Auch wenn Sie gut schlafen konnten: Der Prozess muss Sie unheimlich viel Zeit und Kraft gekostet haben.

Ich musste über Jahre hinweg seitenweise Schriftsätze des WDR und des Gerichts durcharbeiten, weil ich – obwohl ich einen Anwalt hatte – über den Fortgang einfach im Bild sein musste. Die Schriftsätze, die mitunter mehrere Dutzend Seiten lang waren, kamen meist, wenn ich die Zeit dafür gerade für andere Dinge brauchte. Und dann die zwar nett gemeinten, aber ständigen Fragen von Kollegen, wann es denn ein Ergebnis gibt, ohne die Frage beantworten zu können, geschweige denn Einfluss auf die Arbeitsgeschwindigkeit des Gerichts zu haben.

 

Hat der Prozess Ihre Arbeit gefördert, weil Sie dadurch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten? Oder war er eher hinderlich, weil möglicherweise einige Auftraggeber dachten, Sie seien ein Querulant?

Der Prozess hat mich in der Journalismus-Branche sicherlich bekannter gemacht. Ich glaube, das hat mir an einigen Stellen genutzt, weil man mich ernster genommen hat, insbesondere bei Anfragen, die ich an öffentliche Stellen gerichtet habe und die das Informationsfreiheitsgesetz betrafen. Ich glaube nicht, dass Auftraggeber dachten, ich sei ein Querulant. Jedenfalls hat das niemand geäußert. Es gab auch viele Kollegen, auch welche vom WDR, die mir gesagt haben, dass sie gut finden, was ich mache. Für meine Arbeit war der Prozess, denke ich, nicht hinderlich. Ich war auch nach Klageerhebung sogar für den WDR als freier Journalist tätig.

 

Sehen Sie sich mehr als Aktivist denn als Journalist? Oder lösen sich da die Unterschiede in der Branche immer mehr auf?

Ich sehe mich ausschließlich als Journalist und halte es mit dem in meinen Augen zeitunabhängig gültigen Hans-Joachim-Friedrichs-Zitat, wonach ein Journalist sich nicht mit einer Sache gemein macht, auch nicht mit einer guten. Ich habe in jüngerer Zeit jedoch feststellen müssen, dass es Fälle geben kann, in denen Lebenssachverhalte oder auch staatliche Politik so sehr auf die Arbeitsumstände eines Journalisten Auswirkungen haben, dass Journalismus und Aktivismus gar zusammenfallen müssen. Allein um die – verfassungsrechtlich verbriefte – journalistische Tätigkeit richtig ausüben zu können. Eine solche Situation war in meinem Fall aber nicht gegeben.

 

Warum war Ihre Einzelklage für den deutschen Journalismus wichtig?

Die Frage der Geltung des Informationsfreiheitsgesetzes für eine Rundfunkanstalt war vorher juristisch nicht hinreichend geklärt. Das von mir erstrittene Urteil hat in diesem Punkt für Klarheit gesorgt. Der WDR hat mir gegenüber, wie es andere öffentliche Stellen auch immer wieder gegenüber anderen Journalisten tun, behauptet, ich könne mich als Journalist nicht auf das Informationsfreiheitsgesetz berufen. Hier hat das Gericht den WDR auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Oppong-Fruehbrodt in Medienpreisträger Oppong: Es lohnt sich, für sein Recht zu kämpfen

ZA-Preisträger Marvin Oppong (rechts) zusammen mit Professor Lutz Frühbrodt, dem Vorsitzenden der Zweiten Aufklärung.

 

Welche konkreten Auswirkungen hat Ihr gerichtlicher Erfolg über Ihren Einzelfall hinaus?

Es ist jetzt amtlich, dass jeder Bürger beim WDR einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellen kann, die Gebühreneinziehung und die Vergabe von Sendezeiten an Dritte im Wahlkampf mit eingeschlossen. Zudem gibt es durch meine Klage, die bis dorthin ging, nun auch eine einschlägige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, bei dem Fälle, die Rundfunkanstalten in anderen Bundesländern mit Informationsfreiheitsgesetz betreffen, landen können.

 

Sie haben die Entwicklungen in Sachen WDR in einem Blog dokumentiert. Als der Fall abgeschlossen war, haben Sie auch einen langen Artikel darüber in der Frankfurter Allgemeinen veröffentlicht. Die FAZ ist für ihre grundsätzlich kritische Haltung gegenüber den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bekannt. Haben Sie sich vor den FAZ-Karren spannen lassen?

Nein. Zunächst einmal gab es auch Interesse von anderen Medien. Die Haltung der FAZ zu dieser oder jener Sachfrage hat mit meinem Artikel nur mittelbar etwas zu tun. Mein Artikel hätte in einem anderen Medium zudem nicht anders ausgesehen.

 

Welche persönliche und berufliche Bedeutung hat der Sonderpreis Medienkritik für Sie?

Der Preis bedeutet für mich eine Anerkennung von unschätzbarem Wert für die Strapazen, die ich hatte. Es ist schön zu sehen, dass eine Sache, bei der ich viele Anfeindungen erleben musste, von anderen Menschen aus der Branche nicht nur respektiert, sondern sogar gewürdigt wird. Er zeigt mir zudem, dass es sich grundsätzlich immer lohnt, für sein Recht zu kämpfen.

 

© Die Zweite Aufklärung 2014

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