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McPlanet-Kongress 2012: Konkrete Alternativen zum Business as Usual

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McplanetHeader in McPlanet-Kongress 2012: Konkrete Alternativen zum Business as Usual23.4.2012 – Rund 1700 Menschen strömten nach Berlin zum Bewegungskongress McPlanet. „To BIG to fail!“ lautete das Motto des Kongresses 2012 an der Technischen Universität. Der Slogan, den die Veranstalter in diesem Jahr für das zentrale Diskussionsforum der deutschen Alternativbewegung gewählt haben, ist bewusst doppeldeutig.

Zum einen bezieht er sich auf den Planeten Erde, der zu groß ist, als dass es sich die Menschheit leisten kann, das ökologische Gleichgewicht weiter zu vernachlässigen. Zum anderen spielt er auf ein Totschlagargument der Finanzkrise an, dass diese oder jene Bank gerettet werden müsse, weil sie systemrelevant sei.

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Unterschrfiten gegen unsaubere Geschäfte: Jutta Sundermann von Attac

Kein Wunder also, dass die Großbanken auch diesmal im Visier standen – mit Veranstaltungen wie „Wer kontrolliert die Finanzmarktkontrolleure?“ oder „Diese Banken können wir uns nicht leisten!“ So zeigte die Attac-Aktivistin Jutta Sundermann, dass allen voran die Deutsche Bank, aber auch die Commerzbank, die HVB/Unicredit, in einigen Bereichen aber auch die genossenschaftliche DZ-Bank die Einlagen ihrer Privatkunden für ethisch äußerst fragwürdige Investitionen missbrauchten. In den vergangenen Monaten wurden die zweifelhaften „Wetten“ auf den Verlauf von Nahrungsmittelpreisen publik. Großbanken päppeln aber auch die Atomindustrie, legen ihr Geld in Steueroasen an und finanzieren Rüstungsfirmen.

 

Banken finanzieren Streumunition

Besonders problematisch sei es, wenn Geld für die Herstellung von Streumunition gepumpt werde, sagte Regine Richter von der NGO „Urgewald“. Diese Art von Geschäft in den Medien anzuprangern, zeige aber durchaus Erfolge. So haben die Commerzbank und die WestLB in Folge der öffentlichen Kritik „Rüstungsrichtlinien“ für ihre Investments verabschiedet. „Die Bank, die am wenigsten Einsicht zeigte, war wieder die Deutsche Bank“, so Richter. Trotz einer gegenteiligen Ankündigung im November 2011 habe sich der Frankfurter Bankenriese immer noch nicht aus dem Geschäft mit Streumunition zurückgezogen.

 

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Pressearbeit hilft oft: R. Richter von Urgewald

Was also tun, wenn die bösen Banken weiter böse sind? Dann hilft nur die Abstimmung mit den Füßen oder das, was Attac als „Krötenwanderung“ bezeichnet – wenn möglichst viele Bürger langsam, aber sicher zu Kreditinstituten wechseln, die ethisch sauber handeln. Naheliegend wären zunächst einmal die anderen Großen, die öffentlichen und genossenschaftlich organisierten Bankinstitute. „Die Sparkassen verfolgen – genau wie die Volks- und Raiffeisenbanken – auf Grund ihrer dezentralen Organisation lokal mitunter sehr unterschiedliche Strategien“, schränkte  Attac-Aktivistin Sundermann ein. Der Kunde ist also gehalten, sich vor Ort genau zu informieren. Oder wechselt von vornherein zu Instituten, die über (fast) jeden Zweifel erhaben sind. Dazu gehören die GLS Bank und die Ethik Bank, die ihren Kunden auch Girokonten anbieten können. Dazu zählen für das reine Anlagengeschäft auch die Triodos Bank und die Umweltbank.

 

Lässt sich mit öko-fairem Konsum die Welt verändern?

Eine zweite große Säule des McPlant-Kongresses bildete die Frage nach ökologischen Alternativen. Auf der unternehmerischen Seite, aber auch für  den einfachen Verbraucher. Kann man mit öko-fairem Konsum die Welt verändern, lautete die Frage eines Panels, den über 200 Leute besuchten. Die Kernbotschaft: Ja, jeder einzelne Bürger hat es in der Hand, Lebensmittel einzukaufen, die unter ökologisch und sozial akzeptablen Bedingungen produziert wurden.

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Hipp-Vorstand Johannes Doms (einziger Krawattenträger des Kongresses), Moderatorin Kerstin Brodde, die Autorinnen Tanja Busse und Kathrin Hartmann

Allerdings ist das leichter gesagt als getan. Denn in der Praxis lauern diverse Stolpersteine: Was nützt es, Fair Trade Kaffee zu bestellen, wenn dieser von einem Zustelldienst ausgeliefert wird, der seine Mitarbeiter ausbeutet?, fragte Kathrin Hartmann, Autorin des Buches „Das Ende der Märchenstunde“. Welchen Wert hat ein Öko-Labelling auf elektronischen Geräten, wenn die Industrie dafür sorgt, dass allenfalls mittlere, aber niemals richtig schlechte Werte auf diesen Labels erscheinen?

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Die öko-faire Gulaschkanone im Zentrum der „Gerüchteküche“ auf dem McPlanet-Kongress

Wer sich wirklich konsequent öko-fair verhalten will, braucht aber nicht nur die Zeit, sich im Vorfeld über die kompletten Produkteigenschaften zu informieren. Mindestens ebenso wichtig ist die aufrichtige Bereitschaft, sein eigenes Konsumverhalten grundsätzlich zu ändern. Dies kann durchaus ein großer Schritt sein in einer Gesellschaft, in der der Konsum auch dazu dient, die Menschen vom Denken abzuhalten, wie die Journalistin und Buchautorin Tanja Busse mit Verweis auf Adorno/Horkheimer betonte. Und schließlich braucht man das nötige Kleingeld, um die im Zweifelsfalle sehr viel günstigeren Supermarktprodukte links liegen zu lassen – ein Luxus, den sich Hartz IV-Empfänger beispielsweise nicht leisten können, wie Johannes Doms, Produktionsvorstand bei Hipp, betonte.

 

Ist endlich Schluss mit dem Kuschelkurs?

Somit geht es nicht nur um das Bewusstsein des Einzelnen, sondern auch um die politisch-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen  – die die Podiumsteilnehmer durch die Bank als nicht besonders günstig einschätzten. Ein auf Effizienz getrimmtes neoliberales Wirtschaftssystem und die Vernachlässigung ethischer Aspekte in der Schul- und Hochschulbildung schaffen nicht gerade günstige Voraussetzungen für den verantwortungsbewussten Bürger und Konsumenten.

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„Die Zeit ist reif – kritische Masse erreicht – Arsch hoch!“, hieß es aus dem Publikum

„Die Zeit ist reif“, hieß es mehrfach aus den Reihen des Publikums, es solle endlich Schluss sein mit dem „Kuschelkurs“. Die „kritische Masse“ sei längst erreicht, man müsse jetzt einfach mal „den Arsch hochkriegen“. Daraus sprechen der Idealismus und die Ungeduld links-alternativer Aktionsgruppen. Repräsentativ für die Bevölkerung ist diese Einschätzung wohl kaum.

 

Der tatsächliche Weg zur Veränderung dürfte etwas länger sein. Er führt sowohl über Protestaktionen als auch über öko-faire Leuchtturmprojekte, aber er braucht auch klare politische Veränderungen hin zu mehr Transparenz, Verteilungsgerechtigkeit und ethischer Verantwortung. Damit der mündige Bürger und Konsument in den Mittelpunkt rückt und damit es ihm erleichtert wird, seine Einsichten auch in konkretes Handeln umzusetzen, ist zähe Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit gefragt. Schnelle Erfolge verspricht das nicht – aber dafür hoffentlich nachhaltige.

AF/LF

© 2012 Die Zweite Aufklärung. Alle Fotos: L. Frühbrodt

 

 

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