Blog

Absolute Leerheit: Das Polit-Palaver des Stefan Raab

Printfriendly-pdf-button-nobg in Absolute Leerheit: Das Polit-Palaver des Stefan Raab

Blog3 in Absolute Leerheit: Das Polit-Palaver des Stefan Raab12.11.2012 – Die mit Abstand beste Pointe kam erst ganz zum Schluss. Als nämlich Peter Limbourg, Sat-Eins-Nachrichtenfuzzi und pseudoseriöser Anstandswauwau in Stefan Raabs neuer Polit-Show, dem Moderator attestierte: „Sie können auch Politik!“ Das war (unfreiwillige) Ironie und zwar im doppelten Sinne:  „Absolute Mehrheit“ hat nur sehr entfernt mit richtiger Politik zu tun. Und außerdem ist Raab, der TV-Gernegroß, in dieser Disziplin grandios gescheitert.

Raab-Politiktalk-2012-A-300x225 in Absolute Leerheit: Das Polit-Palaver des Stefan Raab

Nur bitte keine richtigen Argumente! Stefan Raab mit seinen Gästen/Foto: ZA

Erinnert sich noch jemand an den „Heißen Stuhl“? Frühe Versuche der Privatsender (in diesem Fall 1989-1994), Politik zu einem reinen Show Act zu degradieren, waren letzthin nicht von Erfolg gekrönt. Also haben die Programmacher in Köln und München lange geflissentlich darauf verzichtet. Zumal die Dauerberieselung mit platter Unterhaltung zur Entpolitisierung des Publikums führt und damit eben auch eine, wenn auch besonders perfide Spielart von politischer Beeinflussung darstellt. Es geht also auch einfacher, ließe sich aus Perspektive des Kommerzfunks sagen.

Was also hätte die „Absolute Mehrheit“ leisten können? Im besten Fall hätte die Show in ihrer Überzeichnung wohl noch den Schwachsinn der Konkurrenzformate im öffentlich-rechtlichen Äther entlarvt. Doch Raab fehlt(e) schlichtweg das intellektuelle Format, um die Politiker-Gäste mit seinen billigen Witzen („Herr Fuchs, wer hat die Gans gestohlen?“) bei seiner Premiere aus der Facon zu bringen. Ihm gelingt es in keiner Sekunde, einen Kontrapunkt gegen den typischen Politsprech der Berliner Funktionärsszene zu setzen. Vielleicht hätte er besser – ganz im Geiste seiner Pro-Sieben-Zielgruppe – einige aufgeweckte Mittzwanziger mit auf das Talksofa setzen sollen, die sich nicht durch die Phrasen der Politiker hätten austricksen lassen und die diesen mächtig verbalen Zunder unter dem Hintern gemacht hätten.

Raab-Politiktalk-2012-C in Absolute Leerheit: Das Polit-Palaver des Stefan Raab

Man nehme die Kulisse der Harald-Schmidt-Show und garniere sie mit einem überdiemensionalen Bundesadler. Der Aufbau der Show wirkte in jeder Hinsicht einfallslos. Foto: ZA

Stattdessen räkelte sich als „Frau aus dem Volke“ eine überschminkte Unternehmerin auf der Couch, die weniger durch ihre inhaltlichen Einlassungen zu den ohnehin ziemlich ausgelutschten Themenblöcken Reichensteuer/Energiewende/Internet als durch ihr unverhohlenes Flirten mit FDP-Quertreiber Wolfgang Kubicki auf sich aufmerksam machte. Kubicki machte dann auch glatt das Rennen, bekam also die meisten Zuschaueranrufe, weil er den Charmebolzen spielte und es zugleich verstand, sich mit lässig soufflierten Anti-Establishment-Parolen von den anderen Politikern zu distanzieren. Jemand wie Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, konnte mit der hausbackenen Strategie des guten-alten Arguments gegen so einen nichts ausrichten.

Raab wird sich weiter für den medialen Alleskönner halten

Denn die Devise der Sendung lautete eindeutig: Wer sich als Person – oder sollte man sagen: Typ? – am besten verkaufen kann, der soll auch mit der Prämie von 100.000 Euro vom Platz gehen. Die bekam diesmal aber noch nicht mal Kubicki. Und wahrscheinlich werden es auch die nächsten Siegertypen bei insgesamt drei Finalisten schon rein rechnerisch nicht ganz leicht haben, auf die geforderten 50plus Prozent zu kommen.

So gesehen bildet die „Absolute Mehrheit“ immerhin eine finanzielle Win-win-Situation für Raab und Pro Sieben, denn neben der Werbung darf sich jeder Anrufer mit 50 Cent an der Refinanzierung dieses Politnonsense beteiligen. Raab wird auch deshalb glauben, der große TV-Alleskönner zu sein, weil die Quote bei den jüngeren Zuschauern recht hoch war. Doch das war nur der Neugier-Effekt der ersten Sendung. Danach wird es aus besagten Gründen steil bergab gehen.

Was durchaus sein Gutes hat: Dann werden die Programmmacher von ARD und ZDF nicht panisch und krampfhaft versuchen, wie bei so vielen anderen Formaten die vermeintlichen Erfolgsrezepte der privaten Profitfunker abzukupfern. Denn über alledem sollte eines nicht vergessen werden: Die Mutter aller Politik-Talkshows stand bereits Pate für alle einschlägigen Formate der Öffentlich-Rechtlichen: „Talk im Turm“ auf Sat Eins.

LF

© 2012 Die Zweite Aufklärung

 

Keine Tags zu diesem Beitrag.
Previous post

Nutzen statt Besitzen

Next post

Was Adam Smith wirklich meinte

admin

admin

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.