Berliner Salon

34. Salon: Die Wahrheit über die Regenbogenpresse

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Die so genannte Yellow Press verbreitet jede Menge Lügen und Halbwahrheiten. Deshalb ist es wichtig, die Wahrheit über sie zu sagen. Dies macht der Blog „Topf Voll Gold“, der Teil von Übermedien ist. TVG-Macher Mats Schönauer war zu Gast beim 34. Salon-Abend der Zweiten Aufklärung.

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Mats Schönauer mit einem Objekt der Begierde.

Schwer vorstellbar, aber auch das zählt offiziell zum Journalismus: Die Titel der Regenbogenpresse übersteigen in ihrer Auflage die Zahlen von Spiegel, Stern und Focus deutlich. Aus Nichtigkeiten rund um Promis und Adel fabrizieren „Die Aktuelle“ und Co. vermeintliche Psycho-Dramen und spektakuläre Enthüllungen und treffen auf eine treue Leserschaft. Der Blog „Topf voll Gold“ nimmt die Arbeitsweise der bunten Blätter humorvoll und kritisch unter die Lupe. Betreiber Mats Schönauer stand beim 34. Salon am 30.6.2017 Rede und Antwort.

Wahrheitstreue gehört nicht zu den Grundlagen der Regenbogenpresse. Im Gegenteil weckt sie die Neugierde mit reißerischen Schlagzeilen rund um Liebe, Trennung und Tod und hat doch meist nicht mehr zu bieten als reine Spekulationen und Gerüchte. Warum trägt Herzogin Kate ein gemustertes Kleid? Weil Muster das schwangere Bäuchlein gut überdecken, wahrscheinlich sind’s sogar Zwillinge. So absurd diese Art von Berichterstattung ist, die Leserinnen scheint das nicht zu stören. Frauen über 70 mit eher niedrigem Bildungsniveau bilden die langjährige Hauptleserschaft.

Mats Schönauer erklärt, dass die „Berichtsopfer“ es meist aufgegeben hätten, sich mit Gegendarstellungsklagen zu wehren. Vielleicht fühlen sich manche Promis vor allem der Kategorien B oder C sogar ganz wohl damit, im öffentlichen Interesse zu stehen? Müssen nicht manche Promis, wenn sie berühmt sein wollen, diese Art von Geschichten über ihr Privatleben quasi einpreisen, fragt ein Salon-Teilnehmer? Sein Mitleid halte sich im Rahmen.

Spätestens wenn Journalisten sich als Pfarrer verkleiden, um den schwer erkrankten Michael Schumacher zu besuchen, ist aber eine Grenze überschritten. Auch Prinzessin Dianas tödlicher Unfall, auf der Flucht vor aufdringlichen Papparazzi, fällt einem in diesem Zusammenhang ein.

Die rein printorientierte Regenbogenpresse hat ebenso wie die seriösen Blätter mit sinkenden Auflagen zu kämpfen. Auf längere Sicht wird sich durch das hohe Alter der Zielgruppe eine biologische Lösung ergeben. Doch mit distanzlosen Promigeschichten in bewährten Gut-Böse-Schemata machen auch andere Zeitschriften Geschäfte: Closer oder In-Touch arbeiten mit ganz ähnlichen Methoden und adressieren erfolgreiche eine jüngere Leserinnenschaft. Es scheint ein menschliches Bedürfnis danach zu bestehen, sich am Glück oder Unglück von Celebritys zu ergötzen und damit auf eine Flucht aus dem Alltag zu begeben. Aufklärung tut also auch hier Not.

© Die Zweite Aufklärung 2017 (Foto: ZA, Titelcollage: Topf Voll Gold)

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Annette Floren

Annette Floren

Annette Floren ist studierte Geisteswissenschaftlerin und heute Projektmanagerin / Prokuristin eines Berliner IT-Unternehmens, wo sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Anfang 2014 rundete sie ihr Profil als Kommunikationsexpertin mit dem Abschluss "PR-Referentin / PR-Beraterin" ab. Ihr Credo im Job und bei der Zweiten Aufklärung: "Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher." (Albert Einstein). Annette Floren behandelt bei der Zweiten Aufklärung insbesondere Themen wir saubere PR, CSR, Gutes Leben.