Berliner Salon

30. Salon-Abend: Kabarettist Gunkl erklärt die Welt mit Bordmitteln

Am 14.6. gab sich der österreichische Kabarettist zum zweiten Mal die Ehre im Salon der Zweiten Aufklärung. Er präsentierte sein neues Programm „So Sachen“, das im Nachgang eine kontroverse Diskusssion provozierte.

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Wenn Gunkl spricht, wird es gedankenschwer. Foto: Gunkl

Schon in frühester Kindheit begann Gunkls Traumatisierung. Als der Kaspar im Puppentheater fragte „Seid Ihr alle da?“ und alle Kinder einfach „Ja!“ schrien, blieb er verstört über den semantischen Widersinn dieser Suggestivfrage allein zurück. So wurde für ihn früh die Diktatur der Mehrheit spürbar. Mit den Jahren wurde es nicht besser, immer wieder begegnete er persuasiver, oft manipulativer Sprache. Und heute findet sich der nun voll und ganz erwachsen gewordene Kabarettist aus Wien in einer Welt wieder, die voller Irrationalismus ist und in der immer häufiger populistische Rhetorik als Machtinstrument zum Einsatz kommt. Doch er mahnt: „Die billigen Lügen für die gute Stimmung müssen irgendwann alle bezahlt werden.“

Deshalb plädiert Gunkl in seinem zweistündigen Programm „So Sachen“ dafür, dass die Menschen ihren Verstand stärker einsetzen. „Wir stehen mitten auf der Baustelle Menschheit“, sagt er zwar, ist aber auch optimistisch: „Wir haben ein Hirn, das wirklich lernen will.“ Die Welt sei „mit Bordmitteln“ erklärbar, es bedürfe keiner höheren Macht. Anders formuliert: Mit Hilfe der Wissenschaft, nicht zuletzt auch der Naturwissenschaften, ließen sich die meisten gesellschaftlichen Probleme lösen. Man müsse sich nur darauf besinnen.

Gunkl steht fast starr im Veranstaltungsraum des Ristorante Belluno, nur seinen Oberkörper bewegt er hin und wieder. Sein wichtigstes Instrument ist seine sonore Stimme, mit deren Hilfe er immer wieder virtuos witzig-hintersinnige Sprachgebilde und kluge, provokative Gedanken formuliert. Gunkl hat seinem Publikum „den Geist gekitzelt“, wie es ein Salon-Teilnehmer formuliert. Doch in der anschließenden Diskussion muss sich der Kabarettist auch durchaus kritische Töne gefallen lassen.

Ein Kritikpunkt: Er plädiere für einen kalten Szientismus und ein technokratisches Regime, das einer Mehrheit der Bevölkerung nicht nahe zu bringen sei. Ein weiterer: Menschen seien nun einmal nicht allein und oft auch nicht primär von Vernunft geprägt, sondern von Instinkten und Gefühlen, woraus sich ein Bedürfnis nach Spiritualität ableite. Auch das dürfe in der Ansprache nicht vergessen werden: Zu viel Ratio könne schnell elitär und überheblich wirken. Und schließlich: Wer anders denkende, fühlende und möglicherweise „verirrte“ Menschen überzeugen wolle, müsse auf diese zugehen. Nonchalant entgegnet Gunkl darauf, dass er sich dann ja der Position dieser Menschen annähern müsste. Das sei nicht sein Ziel. Er wolle mit seinem Programm schlicht und einfach klare Kante zeigen.

© 2016 Die Zweite Aufklärung (Titelfoto: Gunkl)

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