Berliner Salon

28. Salon-Abend: Mietrebellen gegen Luxussanierung

MIETREBELLEN-Plakat in 28. Salon-Abend: Mietrebellen gegen Luxussanierung Steigende Mieten und Wohnungsknappheit – diese Nöte kennen immer mehr Menschen in Berlin und anderen Großstädten aus eigener Erfahrung. Die Probleme mögen individuell erlebt werden, doch in aller Regel beruhen sie auf strukturell angelegten Fehlentwicklungen im Mietmarkt. Gentrifizierung und Luxusmodernisierung lauten die Stichwörter. Es setzt eine Art urbane Verdrängung ein: Mieter aus der City müssen in die Randbezirke ziehen und verdrängen damit wieder andere Mieter, die ihrerseits weiter nach außen gedrängt werden oder zum Teil sogar in der Obdachlosigkeit enden. Wie zivilgesellschaftliches Engagement bis hin zum zivilen Ungehorsam auf die Missstände aufmerksam machen und auch die Politik zum Handeln bringen kann, veranschaulicht der Film „Mietrebellen“, den wir am 20.11.2015 anschauten und anschließend mit den Filmemachern diskutierten.

Mietrebellen-Macher in 28. Salon-Abend: Mietrebellen gegen Luxussanierung

Gertrud Schulte Westenberg und Matthias Coers – die Macher des Films.

In ihrem Film über die Berliner „Mietrebellen“ (2014) halten Gertrud Schulte Westenberg und Matthias Coers mit der Kamera hautnah drauf: Beim Begräbnis von Rosemarie Fliess, die wenige Tage, nachdem sie ihre Mietwohnung zwangsweise verlassen musste, als Obdachlose starb. Bei der Besetzung des „Kotti“ (Kottbuser Tor). Bei den Demonstrationen anlässlich der Jahrestagung deutscher Immobilienhaie. Bei den Initiativen von Senioren zum Erhalt bezahlbarer Wohnungen oder von Begegnungsstätten.

Der Film will parteiisch sein. Ganz bewusst lässt er deshalb fast nur die Betroffenen zu Wort kommen. Damit scheint er einen Nerv zu treffen – und zwar weit über Deutschland hinaus. Der Film wurde bereits in zahlreichen europäischen Metropolen aufgeführt, aber beispielsweise auch in New York und Santiago de Chile.

„Keine Rendite mit der Miete“: Die Proteste der Mietrebellen sind phantasiereich angelegt, von Gemeinschaftssinn getragen, und ein paar Mal rückt bei ihren Aktionen auch die Polizei an. Es sind mitnichten nur Aktivisten aus dem linksalternativen Spektrum, die auf die Barrikaden gehen, auch Rentner und ganz normale Bürger aus dem Mittelstand sind beim Widerstand dabei. Denn: Jeder kann betroffen sein. Letztlich geht es den Protestierenden aber nicht nur um ihr eigenes Wohlergehen, sondern um ganz grundsätzliche gesellschaftliche Fragen – zum Beispiel darum, dass ein vernünftiges Verhältnis zwischen Sozial- bzw. bezahlbaren Wohnungen und Luxusbauten auch in Innenstädten gewahrt bleiben muss.

 

Kann die Politik den Markt bändigen?

Wenn also urpolitische Fragen berührt sind, müsste sich dann nicht die Politik der Probleme annehmen? Nicht jeder hat Hoffnung in die Bereitschaft und Fähigkeit der Politiker, die Lage am Mietmarkt zu verbessern. Im Film spaltet die Frage „Reden wir noch mit den Politikern oder nicht?“ die Aktivisten. Und auch einige Diskutanten der Zweiten Aufklärung vertreten beim Salon-Abend die Ansicht: „Die Politik sitzt doch im Aufsichtsrat des Marktes.“

Aber Filmemacher Matthias Coers plädiert an dem Abend eindringlich dafür, dass man als Mieter nicht nur Opfer sei und bloß keine „Ohnmachtsdebatten“ führen soll. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt werde zwar immer schwieriger, dies schaffe aber auch ein neues Bewusstsein. Öffentlichkeitswirksame Aktionen würden die Politik zum Handeln zwingen. Auch gute Filme gehören zweifellos dazu.

Salon-28-Gruppe in 28. Salon-Abend: Mietrebellen gegen Luxussanierung

Lebhafte Diskussionrunde: Einige Teilnehmer sind selbst schon von der Gentrifizierung betroffen.

© Titelfoto und Filmplakat: SchulteCoers; Text und restliche Fotos: Die Zweite Aufklärung 2015.

Keine Tags zu diesem Beitrag.
Previous post

Der "ARD-Check": Dauerwerbesendung in eigener Sache

Next post

29. Berliner Salon: Der Super-Sunday war nicht super

admin

admin